Das ECSPIRT Projekt
Eine nachhaltige Ausbildungsstruktur aufzubauen, ist nicht trivial. Es muß sichergestellt werden, dass alle Parteien einen Vorteil aus der Struktur ziehen können, und es darf nicht passieren, dass eine Teilnehmergruppe, z.B. die Lehrer demotiviert werden, sobald keine Spendengelder mehr verfügbar sind. Daher bekommen die Lehrer lediglich eine Bonuszahlung für die ersten abgeschlossenen Kurse, und der Unterricht muß derart ablaufen, dass die Schüler anschließend unabhängig von den Lehrern sind. D.h. nach einer anfänglichen Phase zusätzlicher Lehrerarbeit wird das IT-Zentrum effektiv von den Schülern selbst geführt werden. Anstelle die Belohnung auf den Geldwert zu reduzieren, wird also die Aktivität selbst aufgewertet, was das Verfahren nachhaltiger macht.
Die Lehrer werden zusätzlich zum normalen Unterricht eine Gruppe von freiwilligen Schülern gemäß des Computer-Ausbildungslehrplans unterrichten. Abschließend werden diese Schüler mit Hilfe eines objektiven Auswertungsprogrammes auf Ihr Wissen getetet. Dafür werden die Lehrer eine Sondervergütung bekommen, die sich nach der Zahl der teilnehmenden Schüler und deren Testergebnissen richtet (äquivalent eines Drittels oder eines Viertels des üblichen Gehaltes). Diese Sondervergütung wird eine willkommene Zusatzeinnahme sein, denn die Lehrer sind in der Mehrzahl jung, haben keine Autos und wohnen ein bis zwei Stunden entfernt in Mthatha, d.h. sie müssen mit dem Taxi zur Arbeit kommen, was zeit- und kostenaufwändg ist. In der Anfangsphase (im Juli und August 2008) hat Ron Wertlen von [http://eKhayaICT.com eKhaya ICT] unentgeldlich ca. sechs Nachmittage lang den Lehrern sowie Schülern bei dieser Aufgabe geholfen. Das weitere Training (etwa drei Tage pro Monat bis Februar 2009) wurde von SELF und der Rhodes University gesponsort. Anschließend wird das weitere Training wahrscheinlich von eKhaya ICT sowie der Rhodes Universität bezahlt.
Aus der oben beschriebenen ersten Gruppe von Schülern werden die besten ausgewählt, die im Folgenden von den Lehrern darin unterrichtet werden, wie man andere Schüler gemäß des Computer-Ausbildungslehrplans unterrichtet und betreut (inklusive eines praktischen Teils). Außerdem werden sie lernen, wie man awareNet benutzt. Diese Gruppe von Schülern wird ebenfalls hauptsächlich bei der Weiterentwicklung und dem Design von awareNet mitwirken.
Wir halten diesen Plan für sehr effektiv, da er die Schüler dazu motiviert, unabhängig von den Lehrern mit dem Computern zu arbeiten. Ziel ist es, dass die Schüler sich selbst organisieren, die Computer und andere Schüler betreuen, da nur zeitlich begrenzt Geld für diese spezielle Ausbildung vorhanden sein wird. Auf diese Weise wird das Computerlabor höher frequentiert. Außerdem stärkt diese Vorgehensweise das Selbstbewußtsein der Schüler und motiviert sie dazu, nach höheren Zielen zu streben. Ihr Engagement können sie auf ihrem Lebenslauf widergeben, was ihnen ganz konkret bei der Arbeitssuche behilflich sein wird.
Die Software awareNet – derzeit entwickelt von [http://eKhayaICT.com eKhaya ICT] – ist eine moderne, interaktive Ausbildungs- und Kommunikationssoftware mit einem halbautomatischen Kontrollsystem, um die Schüler vor Missbrauch zu schützen. awareNet unterstützt die Schüler dabei, sich eigenständig und unabhängig von den Lehrern weitere Bildungsmöglichkeiten zu suchen und dabei in einer sicheren Internetumgebung zu bleiben. Zusätzlich wird den Schülern die Möglichkeit gegeben, eigene Profile sowie Inhalt im Internet zu erstellen, um ihre persönliche Situation darzustellen. Es können Schüler in der näheren Umgebung oder international kontaktiert werden, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen, oder um eigene gemeinsame Projekte durchzuführen. Es wird davon ausgegangen, dass solche motivierenden Aktivitäten sowohl die Schüler dazu animieren, besser und schneller als gewöhnlich zu lernen, als auch die Lehrer dazu animieren, zuverlässiger anwesend zu sein und verstärkt fördernd zu wirken.
awareNet wurde sofort nach der Computer-Grundausbildung an der Zwelenqaba Schule am 29.01.2009 präsentiert. Zunächst enthält es folgende Funktionen:
- Freundesnetzwerk mit Profilen, Status Update, Bekanntmachungen etc.
- Diskussionsforen
- Persönliche und gemeinschaftliche Bildergallerien
- Blogs und Bloggemeinschaften
- Chat
- E-mail
- Bilder- und Dokumentenmanagement
- Gemeinsamer Kalender
- Kollaborative Teamwork-Projekte
awareNet wird nun in sehr enger Zusammenarbeit mit den Schülern weiterentwickelt und verändert, um es genau an ihre Bedürfnisse anzupassen, während sie das Arbeiten am Computer erlernen. Auf diese Art werden die Schüler besonders motiviert, an dem Projekt konzentriert mitzuarbeiten, da Veränderungen sofort sichtbar werden. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Benutzeroberfläche und Funktionalität von awareNet auf diese Weise zu einem großen Teil von jungen unerfahrenen Computernutzern gestaltet wird. Neue Einblicke in die Wahrnehmung junger, afrikanischer Nutzer werden awareNet möglicherweise dazu verhelfen, eine weit verbreitete und beliebte Software zu werden, was widerum einerseits Afrika dazu verhelfen könnte, im Internet in ungeahnter Weise aufzutreten, und andererseits Generationen von jungen Afrikanern die globale Gemeinschaft zu Bewußtsein zu bringen. awareNet ist eine kostenlose, freiheitliche und frei zugänglche Software (free/libre open source software – FLOSS).
Das Zwelenqaba Schulprojekt deckt im Wesentlichen die Installationskosten und die laufenden Kosten des IT-Zentrums, welches im Rahmen des ECSPIRT Projektes genutzt werden soll, für die ersten drei Jahre. Allerdings gibt es kleinere Lücken im Projekt und Verbesserungsvorschläge, die vom Dorfschreiber Verein detektiert wurden. Ursprünglich war neben der Renovierung der Schule, der Einrichtung eines Computerlabors sowie der Installation von Solarzellen, Batterien, Hard- und Software auch geplant, einen Brunnen zu boren und einen Gemüsegarten anzulegen. In diesem Schulgarten sollten die Lehrer und Schüler von einem etablierten südafrikanischen Beratungunternehmen Earth Harmony Innovators unter der Leitung von Tim Wigley lernen, wie Gemüse und Obst in biologischen Anbau im Rahmen der dortigen Möglichkeiten erzeugt werden kann. Der Ertrag sollte zurück an die gärtnernden Schüler und Lehrer gehen. Aus verschiedenen Gründen reicht nun das vorhergesehene Budget nicht mehr dafür aus. An dieser Stelle und möglicherweise auftauchenden weiteren Engpässen möchten wir Unterstützung in Form von Geld leisten. Dies soll mit Hilfe von Spendengeldern geschehen.
Die Beschaffung und Weiterleitung von Spendengeldern ist aber nicht die einzige Hilfe und Arbeit, die der Dorfschreiber Verein ausübt. Ein weiterer wichtiger und sehr interessanter Teil der Arbeit ist der Aufbau eines internationalen Netzwerkes von Schulen, Lehrern, Schülern und Studenten zum technischen und kulturellen Austausch. Im April 2009 beginnt eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik der Freien Universität Berlin. Diese bietet für ihre Studenten einen Kurs Kundenprojekt Web-Technologien an. In diesem erteilt ein externer "Kunde" (in unserem Falle der Dorfschreiber Verein in Zusammenarbeit mit den Schülern und eKhaya ICT) den Studenten einen "Auftrag" und nimmt die Zwischenergebnisse und schließlich das Endergebnis ab. Anforderungsanalyse und Angebotserstellung sowie Planung, Leitung und Durchführung des Projektes nehmen die Studenten selbst in die Hand. Die Webtechnologien, die in diesem Institut gelehrt werden, eignen sich hervorragend, um die Software awareNet sowie möglicherweise auch folgende Softwareprojekte weiterzuentwickeln.
Zum anderen akquiriert der Verein Schulen in Europa, die eine Partnerschaft mit einer afrikanischen Schule eingehen möchten. Diese europäischen Schulen müssen wie die südafrikanischen Schulen bereits mit der nötigen Hardware und einem Internetzugang ausgestattet sein. Die Kommunikationssoftware awareNet wird von eKhaya ICT kostenlos gestellt. Da der Lehrplan in europäischen Schulen meist sehr eng ist, wird davon ausgegangen, dass die Kommunikation mit den afrikanischen Schulen während einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft stattfinden wird. Daher besteht unsere Zielgruppe aus motivierten, afrikainteressierten Schülern und Lehrern.
Die Schüler und Lehrer auf europäischer Seite brauchen keine Information bereitzustellen, d.h. es bedarf keiner speziellen Vorbereitung. Einzige Vorraussetzung sind genügende Englischkenntnisse. Vielmehr wird der erste Input von afrikanischer Seite kommen, da das Projekt auf afrikanischer Seite schon anläuft. Ziel ist es nicht, Präsentationen oder Referate für die jeweilige Partnerschule bereitzuhalten, sondern beidseitig Fragen auszuarbeiten und Interessen zu konkretisieren, die dann der Partnerschule individuell übermittelt werden. Wer sich als Individuum von diesen Fragen angesprochen fühlt oder Interesse an einem Thema hat, kann sich an einer offenen Diskussion, einer Recherche oder auch an einem schon laufendem Projekt beteiligen. Multimedia (Bilder, Ton und Video) wird so oft wie möglich benutzt werden. Dabei soll es keine Altersbeschränkungen geben. So können jüngere Schüler von älteren lernen bzw. ältere Schüler die Anwendung ihres Wissens üben. Die Fragen, Diskussionen und Projekte sollen ausdrücklich von den Schülern erdacht und entwickelt werden und frei jeder Wertung oder strenger Leitung sein.
Lehrer sollen bei der Bedienung der Rechner und Programme und der Beschaffung von Information behilflich sein. Sie sollen ihrerseits Fragen an Ihre eigenen Schüler stellen, Gedanken anregen, interessiert und offen gegenüber Ungewöhnlichem sein. Sie sollen damit, so weit wie möglich, ihre Schüler zu selbständigem, verantwortungsvollen, respektvollen und demokratischen Handeln leiten und so u.a. auch möglichem Mißbrauch, z.B. des Internets vorbeugen. Desweiteren kann durch die Implementierung eines halbautomatischen Kontrollsystems, die nicht die Privatssphäre verletzt, Mißbrauch früh erkannt werden. Diese Technologie, die im Zusammenhang mit diesem Projekt derzeit von eKhaya ICT entwickelt wird, erleichtert den Lehrern ihre Arbeit und macht die Sperrung bestimmter Internetseiten unnötig.
Es gibt eine Reihe von Organisationen und Projekten, die sich rund um die Themen Internet, Lernen, Information und Afrika bewegen. Hier aufgelistet sind die interessantesten und bisher erfolgreichsten. Das Konzept unseres ECSPIRT Projektes wurde bisher in der Art und Weise von keiner Organisation bzw. von keinem Projekt entwickelt. Wir werden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit anderen Projekten prüfen.
- Moodle ist eine Lernplattform auf open source-Basis. Die Software bietet die Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden. Moodle stellt "Kursräume" zur Verfügung. In diesen werden Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten bereitgestellt. Jeder Kurs kann so konfiguriert werden, dass nur angemeldete Teilnehmer diesen besuchen können, Gäste zugelassen sind oder zur Teilnahme ein Passwort erforderlich ist. Moodle hat einen recht hohen Verbreitungsgrad, was die über 28.000 registrierten Installationen aus über 180 Ländern zeigen, die auf der Projektseite erfasst wurden. Diese Lernplattform könnte uns nützlich sein bei der Entwicklung von unseren Technologien, da sie frei zugänglich ist. D.h. wir können Teile (Code) daraus entnehmen, umändern und verwerten. (http://moodle.org)
- Das Microsoft Produkt Blackboard mit mehreren verschiedenen Systemen (Learning, Community, Academic, Portfolio etc.) scheint ähnlich aufgebaut zu sein wie Moodle, ist jedoch nicht kostenfrei oder auf open source basiert. Außerdem scheint es eher für Universitäten denn für Schulen konzipiert zu sein. (http://www.blackboard.com)
- Beim SchoolTool Projekt handelt sich um eine allgemeine globale administrative Schulinfrastruktur mit einem Kalender, Informations- und Lehrplansystemen. Daher ist es eher für Lehrer konzipiert. Die Kalenderfunktion könnte für uns interessant werden. Da es auf open source-Software basiert, könnte es ebenfalls in unsere Technologien integriert werden. (http://www.schooltool.org)
- Inkululeko Technologies ist ein IT Dienstleister im Bildungs- und Entwicklungsbereich in Südafrika. Die Firma hat z.B. 200 Schulen mit Hardware ausgestattet (in 2002) und bietet auch open source Software und andere Dienstleistungen an. Sie wurde bis vor kurzem von der Shuttleworth Foundation unterstützt, aber nun ist es ein bißchen still geworden um diese Firma. Dennoch könnte eine Kooperation mit ihnen nützlich und hilfreich sein. (http://www.inkululeko.co.za)
- Bei Spider handelt es sich um ein schwedisches Programm für Internet Technologien in Entwicklungsgebieten. Spider fördert eine Reihe von selbstinitiierten Projekten, die Menschen in armen und ländlichen Gebieten in verschiedensten Entwicklungsländern (bisher keines in Südafrika) Internetttechnologien zugänglich machen und so versuchen, den Lebensstandard zu verbessern. Sobald unser Schulprojekt läuft, könnten wir uns dort ebenfalls für eine Förderung bewerben und gleichzeitig bzw. evt. schon vorher Kontakt aufnehmen zu den anderen Projekten, um deren Erfahrungen zu nutzen und konstruktiv zusammenzuarbeiten. (http://www.spidercentre.org)
- Global Voices ist eine non-profit-Organisation, gegründet an der Harvard Law School’s Berkman Center for Internet and Society. Es handelt sich um eine Expertenkommission, bestehend aus Forschern, die die Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft untersuchen. Hauptsächlich geht es darum, Informationen zu finden, die von den großen Zeitungen und Fernsehsendern ignoriert werden, aber in den neuen Medien wie weblogs, podcasts, photos, video, wikis, tags, aggregators and online chats auftauchen. Diese werden aufgelistet und verlinkt, so daß sie leichter zugänglich sind, Diskussionen entfachen können und allgemein die Informationspolitik in der Welt verändern. Projekte wie diese sind für unsere Arbeit sehr hilfreich, da sie Beispiele geben und Informationen bereithalten. (http://www.globalvoicesonline.org)
- Das Global Teenager Project hat sehr ähnliche Ziele und nutzt ähnliche Methoden wie unser Projekt. Hier lernen auch Partnerschulen aus entwickelten und entwickelnden Ländern mit Hilfe des Internets miteinander und voneinander. Unterschiede bestehen in der Pädagogik und der Technik. Das GTP ist strukturierter und wird stärker von Lehrern geleitet (in sogenannten Lernzirkeln) als wir es vorhaben. Die Kommunikation erfolgt nur über e-mails und chats, d.h. das Projekt entwickelt keine eigene Software, während wir spezielle Programme mit den Schülern zusammen entwickeln wollen, die die Kommunikation vereinfachen und verbessern. Nach einiger Recherche auf der Internetseite vom GTP, haben wir zudem den Eindruck, daß dieses Projekt langsam ausläuft, da die letzten Neuigkeiten von Januar 2007 sind. (http://www.globalteenager.org/mambo/index.php)
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